Sehr geehrter Herr Bürgermeister Kress, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen des Gemeinderats,
Hier finden Sie den Antrag als PDF zum Download
seit mindestens 5 Jahren ist das Thema Wasserversorgung nun im Gemeinderat präsent.
Grundlagen für Entscheidungen werden von der Verwaltung nur schleppend erarbeitet. Im Gemeinderat werden zum Teil hochemotionale Diskussionen geführt, oft wird darüber gesprochen was nicht geht.
Wir möchten mit diesem Antrag nun endlich Bewegung in die Sache bringen, hoffen auf konstruktive Gespräche und eine grundlegende Zukunftsentscheidung noch in diesem Jahr.
Hier noch einmal die Ausgangslage aus unserer Sicht:
Zweifelsohne ist die vorhandene Nanofiltrationsanlage eine technische Meisterleistung undgarantiert hochwertiges Wasser bei niedrigem Härtegrad. Ein erst kürzlich erstelltes Gutachten sagt aus, dass das Dargebot für eine 100%ige Versorgung ausreicht. Gleichwohl ist das Projekt Nanofiltrationsanlage noch nicht fertiggestellt. Es fehlt sowohl ein Absetzbecken, als auch ein Kanal, um das Spülwasser zu entsorgen. Darüber hinaus hat sich diese komplexe Anlage als Hindernis gezeigt, dass das Wasserwerk Karlstein durch einen externen Dienstleister verantwortlich betreut wird. Auch eigenes Personal ist schwer zu finden. Für den Betrieb einer Nanofiltrationsanlage wird ein erheblicher Anteil an Spülwasser benötigt, das erhöht den Rohwasserbedarf.
Auch liegt ein Gutachten vor, dass unser eigenes Wasser in jedem beliebigen Verhältnis mit dem Wasser der AVG oder der Fernwassergruppe gemischt werden kann. Dies könnte eine Option sein, wie man auch ohne Nanofiltrationsanlage den Härtegrad verringern könnte.
Weitere technische Möglichkeiten, den Härtegrad zu verringern, sind beispielsweise der Einsatz einer Ionentauschanlage.
Eine weitere Option wäre, mit der Nanofiltrationsanlage 50% des benötigten Wassers selbst zu erzeugen und 50% zuzukaufen. Möglicherweise kann in diesem Fall das Absetzbecken kleiner ausfallen und das Spülwasser im Wald versickern lassen (Diese Möglichkeit wurde einmal bei einer Videokonferenz erwähnt).
Wir sehen für die künftige Wasserversorgung derzeit folgende Optionen:
Weiterbetrieb der Nanofiltrationsanlage, mit dem Ziel einer möglichst hundertprozentigen Eigenwasserversorgung.
Weiterbetrieb der Nanofiltrationsanlage und fester Zukauf von Wasser, z.B. 50%
Stilllegung der Nanofiltrationsanlage, Mischen des Wassers mit Fremdbezug (z.B. 50/50), ggfs. Enthärtung mittels einer Ionentauschanlage.
Zunächst sind wir auch offen für weitere Varianten, erarbeitet durch die Verwaltung oder Vorschläge aus dem Gemeinderat.
Allerdings wird es eine Zustimmung unserer Fraktion zum 100%igen Fernbezug und Schließung unserer Brunnen nicht geben. Bei der eigens einberufenen Gemeinderatssitzung zur Wasserversorgung haben wir wahrgenommen, dass auch die Karlsteiner Bevölkerung das Schließen der Dettinger Brunnen nicht akzeptiert.
In Baden-Württemberg hat man den Irrweg der zentralen Wasserversorgung erkannt und fokussiert sich nun wieder auf eine dezentrale Wasserversorgung. Aus unserer Sicht müssen die Brunnen in Dettingen zwingend erhalten bleiben und regeneriert werden, ggfs. sind neue Brunnen zu bohren.
Das Thema Wasserversorgung ist insgesamt komplex. Eine sichere Wasserversorgung, die Qualität des Wassers und die Wirtschaftlichkeit müssen bei einer Entscheidung einfließen. Wir sehen es als unverantwortlich diese Entscheidung weiter aufzuschieben und möchten mit
diesem Antrag erreichen, dass die Verwaltung in einem überschaubaren Zeitraum die Grundlagen für eine fundierte Entscheidung erarbeitet und dem Gemeinderat vorlegt.
Beschlussvorschlag:
Bis zum Herbst, jedoch spätestens Ende 2026, erarbeitet die Verwaltung die Grundlagen für eine fundierte Entscheidung zur Wasserversorgung mit mindestens folgenden Aspekten: Qualität des Wassers und Wirtschaftlichkeit.
Diese sind in einer übersichtlich, gut lesbaren Form (beispielsweise einer Matrix) dem Gemeinderat vorzustellen. Dabei sind folgende Aspekte dezidiert zu beleuchten:
Kosten für die Ertüchtigung der Brunnen für eine 100%tige Eigenversorgung
Kosten für die Automatisierung und Fernsteuerung der Nanofiltrationsanlage
Aktuelle Wartungskosten für die Nanofiltrationsanlage (Filtertausch, weiteres?)
Kosten für den Bau eines Absetzbeckens
Kosten für die Entsorgung des Spülwassers (mehrere Varianten)
Verhandlungen mit AVG und/oder der Fernwassergruppe zur Lieferung eines bestimmten Wasserkontingents. Es muss ein Wasserpreis von fern bezogenem Wasser für eine bestimmtes Kontingent vorliegen mit Prognosen für die Zukunft
Qualitätsbeleuchtungen mit Vor- und Nachteilen bei bestimmten Mischungsverhältnissen mit Fremdwasser
Prognosen für den Wasserpreis für die Karlsteiner Bürger für die verschiedenen Varianten
Weitere Vorschläge aus dem Gemeinderat